Fehlgeburten bei Kühen verursacht durch Hundekot ?
Es ist gerade mal wieder sehr populär, in Artikeln u.ä. zu behaupten, dass Hundekot bei Kühen schwere Erkrankungen und Fehlgeburten hervorruft. Dies gipfelt u.a. in Schildern mit der Aufschrift:
>Hundekot ist Kälbertod<
Dies kann so nicht einfach stehen bleiben
Hier zur Klarstellung die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu diesem Verdacht:
Der Erreger der die Fehlgeburten verursacht heißt: Neospora canium und wurde 1988 in den USA entdeckt. Dieser Erreger wird nicht von Hunden erzeugt. Der Hund ist nur ein eventueller Zwischenwirt. Es ist erwiesen, dass dieser Erreger in verschiedenen Stadien von der Kuh auf das Kalb übertragen wird, und bei gesunden Kühen kein Krankheitsbild erzeugt. Es kommt sogar vor, dass Hunde nach der Aufnahme des Erregers schwer erkranken bis hin zur Amputation von Gliedmaßen und Tod. Die Übertragung von einem Zwischenwirt (in diesem Falle dem Hund), auf die Kuh (durch die Aufnahme von Erregern im Gras), kann nur erfolgen wenn der Hund vorher rohes infiziertes Fleisch gefressen hat (dann wird der Hund kurzzeitig >wenige Tage<, zum Ausscheider dieser Erreger). Dies trifft zu wenn der Hund Reste einer Fehlgeburt, Reste von Mutterkuchen, Hirn von infizierten Tieren, rohes Fleisch von infizierten Tieren zu sich nimmt. Dies kann aber nur geschehen wenn der Hund damit gefüttert wird (Hundefutter und Trockenfutter wird grundsätzlich mit gekochtem Fleisch hergestellt, der Erreger wird beim Kochen aber abgetötet) oder wenn der Hund auf irgendeine Art und Weise an tote Kälber, Mutterkuchenreste usw. herankäme. Dies kann aber nur auf einem Bauernhof geschehen! Eine Studie bei knapp 25.000 privat gehaltenen Hunden hat ergeben, dass nur bei 0,9% dieser Virus nachgewiesen wurde. 75 % aller Betriebe die von den Fehlgeburten betroffen waren hatten aber Hofhunde! Erste Maßnahme muss daher sein Fehlgeburten, Mutterkuchenreste und tote Tiere sicher vor dem Zugriff von Fleischfressern und auch anderer Kühe aufzubewahren (auch diese können dort den Erreger aufnehmen).
Eine Untersuchung von zwei veterinärmedizinischen Labors in den Jahren 2001 bis 2004 hat ergeben, das in insgesamt 11586 untersuchten Hundekotproben nur fünfmal infektiöse Erreger vorhanden waren.
Die Übertragung des Erregers durch weitere Fleischfresser (Katze, Fuchs, Marder) wird merkwürdigerweise auch selten erwähnt (sie wurde auch nie intensiv untersucht da ja der „schuldige“ offensichtlich ermittelt wurde), vor kurzem wurde in einer Schweizer Studie der Erreger in Fuchsgehirnen nachgewiesen. Die „Entlarvung“ des Hundes als Überträger wurde übrigens in Amerika, Kanada und Südeuropa festgestellt dort gibt es aber sehr viele freilaufende herrenlose Hunde und deutlich schlechtere hygienische Vorschriften als in Deutschland (Entsorgung toter Tiere usw.).
Es ist nach den vorliegenden Untersuchungen klar geworden, dass die sog. vertikale Übertragung des Erregers (von der Kuh auf das Ungeborene) zahlenmäßig und wirtschaftlich der Hauptfaktor für diese Erkrankungen ist. In den verschiedenen Untersuchungen wird den Landwirten auch grudsätzlich empfohlen ihre Herden untersuchen zu lassen. Sollte die Herde nicht infiziert sein (serologisch negativ) sollten sie nur untersuchte Tiere die ebenfalls negativ sind zukaufen. Sollten in der Herde serologisch positive Tiere vorhanden sein sollten diese auf jeden Fall nicht zur Weiterzucht verwendet werden.
Diese Erkenntnisse kann jeder, der sich mit dem Thema objektiv und ausführlich beschäftigt, in relativ kurzer Zeit sammeln und selbst seine Schlüsse ziehen. Sie werden hier kommentarlos zur Information gezeigt
Natürlich sollte man darauf achten, die Wiesen nicht mit den Hinterlassenschaften des Vierbeiners zurückzulassen. Von Wiesen die kurz vor dem Schnitt sind sollte man sie auch fernhalten.
Eine Entsorgung des Häufchens sollte absolut selbstverständlich sein.
Es kann aber nicht angehen, dass unsere Hunde als Kälbermörder hingestellt werden obwohl alle Untersuchungen (durch Universitäten) den oben erklärten Sachverhalt ergeben.