
Der "Römertum" zu Helmishofen
Am nordöstlichen Ortsrand von Helmishofen befindet sich auf einer Hügelkante der Rest einer Burg umgeben von einem Ringgraben. Erhalten ist noch der Bergfried sowie einige kleine Mauerreste. Dieser Turm wird fälschlicherweise als Römerturm bezeichnet. Diese Bezeichnung ist natürlich, genauso wie bei dem "Römerturm" von Kaufbeuren (Kemnath), nicht richtig. Mit den Römern haben beide Burgreste überhaupt nichts zu tun.
Meine Frau und ich haben versucht die Geschichte der Burg zusammenzustellen. Die meisten Einzelheiten dieser Zusammenstellung stammen aus den Büchern: Burgen im Allgäu, aus den Geschichtsblättern des Heimatvereins Kaufbeuren sowie aus verschiedenen Büchern die sich mit der Burgengeschichte befassen. Lücken im Zeitraum dieser Aufzählung sowie zeitliche Überschneidungen ergeben sich daraus, dass diese Daten aus verschiedenen Publikationen stammen, und nicht alles rekonstruierbar war.
************************************************************************
Geschichte der Burg Helmishofen
Die Burg Helmishofen wurde im 12. Jahrhundert erbaut. Erbauer waren die Herren von Helmishofen, sie waren stiftkemptische Dienstmannen und hatten die Vogt- und Gerichtsrechte in Helmishofen, Aufkirch, Blonhofen, Gerbishofen und Altensberg.
Besitzer und Ereignisse im Laufe der Jahrhunderte:
- 1190 Adelgolz von Helmishofen
- 1257 Heinrich von Helmishofen, dessen Sohn
- 1262 Heinrich von Helmishofen, Sohn des Heinrich
1269 und 1270 erfolglose Belagerung der Burg durch die Bayern
- 1287 Adelgolz von Helmishofen, Sohn des Heinrich
1312 brannte die Burg nach einem Gewitter fast vollständig aus, wurde aber sofort wieder aufgebaut
1315 erneute erfolglose Belagerung der Burg durch die Bayern
- 1332 Heinrich von Helmishofen (vermutlich Sohn des Adelgolz)
- 1335 - 1380 war die Burg mit einem stiftischen Vogt besetzt
1348 Überfall durch den Ritter Swigger von Mindelberg, Plünderung und Brandschatzung des Bauhofes, danach musste dieser fliehen, da der Abt von Kempten zur Verstärkung unterwegs war.
Ab ca 1380 - 1437 im Besitz der Herren von Schmiechen
- 1387 Heinrich von Schmiechen
- 1398 Elisabeth von Schmiechen
- 1398 Stephan von Schmiechen
- 1412 Jörg von Schmiechen
- 1423 Heinrich von Schmiechen
- 1437 Veit von Schmiechen
Ab 1437 im Besitz des Hochstiftes Augsburg und mit Pflegern besetzt:
- 1444 Stephan von Schwangau
- 1447 Konrad von Schellenberg
- 1457-1460 Ulrich Burggraf
- 1461-1464 Jörg von Villenbach
- 1467-1487 Lutz von Freyberg
- 1488-1508 Wolfhart von Knöringen
- 1512-1518 Hans von Hirnheim
- 1521-1540 Philipp von Landeck
1525 während des Bauernaufstandes Plünderung der Burg durch die Bauern, teilweise Zerstörung durch Brand, danach mussten die Bauern Schadenersatz leisten und beim Wiederaufbau der Burg helfen.
- 1551-1569 Christoph von Bollstadt
- 1574-1581 Josef Stor von Ostrach
- 1585 Sebastian Reiter
- 1587 Philipp Renner von Allmendingen
- 1596-1609 Christoph Friedrich von Hohenberg
- 1610-1612 Edmund Scheler (dieser verlegte seinen Sitz nach Schloß Altensberg)
1632 während des 30-jährigen Krieges erneute Zerstörung der Burg, danach erneuter Wiederaufbau
1792 brannte die Burg Helmishofen ab und wurde nicht mehr aufgebaut. Die Steine der Gebäude wurden von den Bauern der Umgebung zum Hausbau verwendet. Übrig blieb nur der Bergfried.
Die Burg hatte vor allem in der Zeit in der sie im Besitz des Bischofs von Augsburg war eine durchaus hohe Bedeutung. Sie diente vor allem der Sicherung der Handelswege vom Süden ins Schwäbische.
Ab 1803 war die Burg (bzw der Rest) bayerisch.
Mitte des 19. Jahrhunderts Renovierung des Bergfrieds durch den Historischen Verein von Schwaben und Neuburg. Danach war der Turm ein beliebtes Ausflugsziel. Helmishofen lag damals an der Bahnlinie Kaufbeuren-Schongau, hier war die Haltestelle Aufkirch von dort wurde zum Turm gewandert und danach in der Wirtschaft in Helmishofen Brotzeit gemacht.
Die Renovierung des Bergfrieds durch den Historischen Verein und vor allem die Sanierung durch das Landesbauamt Kempten im Jahr 1975-1976 waren sicherlich gutgemeint aber nach heutigem Standard von Sanierungsmaßnahmen sträuben sich einem dabei die Haare. In heutiger Zeit würden solche Maßnahmen ganz anders durchgeführt.
Trotzdem ist der Turm auch heute noch ein lohnenswertes Ausflugsziel er liegt direkt neben dem Radweg Kaufbeuren-Schongau und ist durchaus eine Besichtigung wert. Man kann innen über eine (teils sehr steile) Treppe bis hinauf steigen und hat von dort einen schönen Ausblick auf das ges. Kaltental. Zur Zeit ist die Gemeinde dabei die Wege und Treppen zu sanieren.
************************************************************************
Wappen der Herren von Helmishofen:

*
Rißzeichnung des Bergfriedes:

*
Lageplan der Burg:

*
Literaturhinweise zur Geschichte der Burg:
- Ostallgäu, Einst und jetzt, Allgäuer Zeitungsverlag Kempten-Marktoberdorf 1984 (Band 1 Seite 156f / Band 2 Seite 1132
- Deutsche Gaue, Kaufbeuren 1899 Band 1, Seite 44 / Seite 53ff/Seite 251
- Deutsche Gaue, Kaufbeuren 1911 (2), Band 3 Seite 108
- Kaufbeurer Geschichtsblätter Band 5 Seite 28f, Band 9 Seite 282f
- Anton Steichele/Alfred Schröder Das Bistum Augsburg, Augsburg 1896-1904 Band 6 (Landkapitel Kaufbeuren) Seite 30ff
- Alosi Schorer, Scwäbische Heimat, Buchloe 1937
Siehe auch meinen Artikel bei Wikipedia